Website für Ingenieurbüros: Worauf es ankommt
Ein Ingenieurbüro übernimmt Verantwortung für Gebäude und Anlagen, die Jahrzehnte funktionieren sollen. Seine Website lesen Bauherren, Architekten, öffentliche Auftraggeber und Bewerber, und jede dieser Gruppen sucht dort etwas anderes. Dieser Artikel zeigt, worauf es bei Referenzen, Leistungsphasen, Vergabe und Personalgewinnung ankommt.
Maxim MihailovWeb · 5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Wer liest die Website eines Ingenieurbüros, und mit welcher Frage?
Private Bauherren und Projektentwickler wollen wissen, ob ein Büro Projekte ihrer Größenordnung schon verantwortet hat. Architekten suchen Fachplaner, mit denen sie sich ein Team für einen Wettbewerb oder ein Verfahren vorstellen können. Öffentliche Auftraggeber prüfen Eignung und Erfahrung.
Dazu kommt eine vierte Gruppe, die für viele Büros inzwischen genauso wichtig ist: Ingenieurinnen und Ingenieure, die überlegen, sich zu bewerben. Sie lesen dieselben Seiten mit einer ganz anderen Frage im Kopf, nämlich ob sie an diesen Projekten mitarbeiten wollen.
Allen vier Gruppen ist gemeinsam, dass sie fachlich prüfen. Allgemeine Aussagen über Qualität und Erfahrung überspringen sie. Was sie suchen, sind Projekte, Leistungsbilder und Menschen.
Wie sollten Referenzen auf der Website eines Ingenieurbüros aussehen?
Referenzen sind für ein Ingenieurbüro der wichtigste Inhalt der Website. Trotzdem bestehen sie auf vielen Seiten nur aus einer Liste mit Projektnamen und Jahreszahlen. Für Außenstehende ist so nicht erkennbar, was das Büro in dem Projekt eigentlich geleistet hat.
Eine aussagekräftige Referenz beantwortet auf einen Blick diese Punkte:
- Projekt, Ort und Gebäudetyp, zum Beispiel Verwaltungsbau, Schule oder Klinik.
- Auftraggeber, sofern die Nennung freigegeben ist.
- Fachdisziplin und übernommene Leistungsphasen.
- Zeitraum der Beauftragung.
- Die fachliche Besonderheit, etwa Planung im Bestand, unter Denkmalschutz oder bei laufendem Betrieb.
- Eigene Fotos vom fertigen Gebäude oder aus der Bauphase.
Ab etwa einem Dutzend Projekten lohnt sich ein Filter nach Gebäudetyp und Disziplin. Ein Bauherr, der eine Schule saniert, will Schulen sehen, und zwar ohne sich durch Gewerbehallen zu klicken.
Seien Sie bei der eigenen Rolle präzise. Wer in einem Großprojekt eine einzelne Disziplin oder einen Bauabschnitt geplant hat, sollte das genau so benennen. Fachkundige Leser erkennen Übertreibungen sofort, und in Vergabeverfahren können Referenzangaben nachgeprüft werden.
Nach diesem Prinzip entsteht gerade der Auftritt des Ingenieurbüros K10 in Hannover, das Brandschutz und TGA-Planung anbietet. Bisher waren selbst anspruchsvolle Referenzprojekte des Büros online nirgends zu sehen. Im neuen Auftritt erscheinen die Referenzen mit echten Projektfotos, und die Leistungen sind bis auf die HOAI- und AHO-Phasen aufgeschlüsselt.
Warum gehören die HOAI-Leistungsphasen auf die Leistungsseiten?
„Technische Gebäudeausrüstung“ oder „Elektroplanung“ als Überschrift sagt wenig darüber, wie weit ein Büro ein Projekt begleitet. Manche Büros planen bis zur Genehmigung, andere übernehmen auch Vergabe und Bauüberwachung. Für Bauherren und Architekten ist genau das eine Kernfrage bei der Zusammenstellung eines Planungsteams.
Für Gebäude und die Technische Gebäudeausrüstung gliedert die HOAI die Leistungen in neun Leistungsphasen. Wer auf seinen Leistungsseiten zeigt, welche davon er in welcher Disziplin übernimmt, beantwortet diese Frage ohne Rückruf:
- 01Grundlagenermittlung
- 02Vorplanung
- 03Entwurfsplanung
- 04Genehmigungsplanung
- 05Ausführungsplanung
- 06Vorbereitung der Vergabe
- 07Mitwirkung bei der Vergabe
- 08Objektüberwachung (Bauüberwachung) und Dokumentation
- 09Objektbetreuung
Für Leistungen, die die HOAI nicht regelt, etwa im Brandschutz, orientieren sich viele Büros an den Leistungsbildern des AHO. Auch diese gehören auf die Leistungsseite. Ergänzen Sie jede Phase um einen Satz dazu, was Ihr Büro dort konkret liefert, zum Beispiel ein Brandschutzkonzept für die Genehmigungsplanung. Die Phasen machen Leistungstiefe vergleichbar, und genau diesen Vergleich stellen Ihre Auftraggeber ohnehin an.
Dasselbe gilt für Arbeitsmethoden. Wenn Ihr Büro mit BIM plant, schreiben Sie dazu, in welchen Projekten und in welcher Tiefe. Eine ehrliche Angabe wie „in zwei laufenden Projekten ab der Entwurfsplanung“ überzeugt mehr als ein BIM-Siegel ohne Erklärung.
Welche Rolle spielt die Website bei öffentlichen Vergaben?
Die formale Vergabe läuft über Vergabeplattformen und Bewerbungsunterlagen. Die Website ist kein Teil der Wertung. Trotzdem wirkt sie mit, und zwar an zwei Stellen.
Erstens werden bei kleineren Aufträgen oft nur wenige Büros direkt zur Angebotsabgabe aufgefordert. Wer diese Auswahl vorbereitet, verschafft sich in der Regel vorher einen Überblick, und die Website ist dafür die naheliegende Quelle. Ein Büro, dessen Referenzen dort nicht zu finden sind, taucht in dieser Vorauswahl schwerer auf.
Zweitens sind Referenzen vergleichbarer Projekte in vielen Verfahren Teil der Eignungsprüfung. Wer seine Referenzen für die Website sorgfältig aufbereitet, hat damit auch die Grundlage für Bewerbungsunterlagen. Voraussetzung ist, dass beide aus denselben Daten entstehen.
Ähnlich funktioniert es bei Architekten, die für ein Verfahren oder einen Wettbewerb ein Planungsteam zusammenstellen. Sie suchen gezielt nach Fachplanern mit passenden Referenzen. Ein Büro, das vergleichbare Projekte nachvollziehbar zeigt, kommt dabei leichter in die engere Wahl.
Warum ist die Website auch ein Werkzeug der Personalgewinnung?
Qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure können sich ihren Arbeitgeber in vielen Fachrichtungen aussuchen. Bevor sie sich bewerben, sehen sie sich das Büro genau an. Eine Stellenanzeige auf einem Jobportal bringt sie auf die Website, und dort fällt oft die Entscheidung.
Das stärkste Argument für ein Büro sind dabei seine Projekte. Wer an einem Rathaus, einer Klinik oder einem Forschungsbau mitplanen möchte, sucht genau solche Referenzen. Die Referenzseite wirbt also gleichzeitig um Auftraggeber und um Bewerber.
Eine gute Karriereseite ergänzt das um Informationen, die in Stellenanzeigen meist fehlen: wie Projektteams zusammengesetzt sind, mit welcher Software geplant wird, wie Einarbeitung und Weiterbildung aussehen und wer die Ansprechperson für Bewerbungen ist. Fotos echter Kolleginnen und Kollegen wirken hier stärker als jedes Bild aus einer Datenbank. Und die Bewerbung selbst sollte ohne Portal und Registrierung möglich sein, eine E-Mail genügt.
Versprechen wie ‚flache Hierarchien‘ und ‚spannende Projekte‘ stehen in fast jeder Anzeige. Abheben können Sie sich mit Konkretem: welche Projekte gerade laufen, ob mobiles Arbeiten möglich ist und wie das Büro Weiterbildungen unterstützt, etwa auf dem Weg zur Sachverständigentätigkeit.
Was gehört außerdem auf die Website eines Ingenieurbüros?
Neben Referenzen, Leistungen und Karriere sind es oft kleine Angaben, die Vertrauen schaffen oder kosten. Nennen Sie Kammermitgliedschaften und besondere Berechtigungen, die in Ihrem Fachgebiet zählen. Geben Sie jeder Disziplin einen Ansprechpartner mit Namen und Qualifikation. Und beschreiben Sie, in welchem Gebiet Sie tätig sind, damit ein Bauherr aus einer anderen Region nicht raten muss.
Warum gerade technisch starke Büros online oft unter Wert auftreten, habe ich im Artikel Warum technische Unternehmen digital oft unter ihrem Wert auftreten beschrieben. Wie ich Websites für Planungs- und Ingenieurbüros aufbaue, zeigt die Seite zum B2B-Webdesign.
Ein guter nächster Schritt ist ein Blick auf Ihre eigene Referenzseite: Ist bei jedem Projekt erkennbar, welche Leistungsphasen Ihr Büro übernommen hat? Wenn Sie dazu eine Einschätzung von außen möchten, schreiben Sie mir über die Kontaktseite. Ich sehe mir Ihre Seite an und nenne Ihnen die drei Punkte, die ich zuerst angehen würde.
Häufige Fragen
Sollte ein Ingenieurbüro Honorare auf der Website nennen?
In der Regel nicht. Honorare hängen von Leistungsbild, Umfang und anrechenbaren Kosten ab und werden projektbezogen vereinbart. Hilfreicher ist eine kurze Erklärung, wie ein Angebot zustande kommt und welche Unterlagen Sie dafür vom Bauherrn brauchen.
Dürfen Referenzprojekte ohne Zustimmung des Bauherrn gezeigt werden?
Klären Sie die Nennung von Projekt und Auftraggeber vorab, am besten schon im Vertrag. Bei Fotos kommen die Rechte des Fotografen hinzu. Wo keine Freigabe möglich ist, helfen anonymisierte Beschreibungen mit Gebäudetyp, Leistungsphasen und Besonderheiten, im Zweifel sollte das rechtlich geprüft werden.
Braucht ein kleines Ingenieurbüro eine eigene Karriereseite?
Sobald Sie Personal suchen, ja. Eine einzige gut gemachte Seite mit Projekten, Arbeitsweise, Ansprechperson und einem einfachen Bewerbungsweg reicht dafür aus. Sie bleibt auch dann sichtbar, wenn gerade keine Stellenanzeige geschaltet ist.
Welche Angaben gehören ins Impressum eines Ingenieurbüros?
Neben den üblichen Pflichtangaben müssen Büros, deren Beruf reglementiert ist, in der Regel zusätzlich die zuständige Kammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung mit dem verleihenden Staat und die berufsrechtlichen Regelungen nennen. Welche Angaben im Einzelfall gelten, hängt von Kammermitgliedschaft und Berufsbezeichnung ab. Lassen Sie das Impressum im Zweifel rechtlich prüfen.
